Wir schreiben das Jahr 2010 in Emails und Statusnachrichten.
Facebook, Twitter und alle anderen Social Media Dienste boomen wie von alleine. Egal wo und egal wann, fast jeder tippt irgendwo eine Statusnachricht, twittert irgendwas in die Welt hinaus oder chattet einfach nur mit alten Freunden. Vor 20 – 30 Jahren war dies noch undenkbar, man konnte froh sein wenn der Amiga die Lemmige Floppy Disc vernünftig lass. Heute wissen wir kaum noch wohin mit unseren Datenmengen.
Bereits 2008 wurde pro Kopf ein Terabyte Daten produziert!
Im Jahr 2020 sollen es bereits 16 Terabyte sein, der digitale Anteil steigt also enorm an. Und bereits heute wissen wir nicht mehr wohin mit den ganzen Daten, Fotos und Videos. Hier kommt die “Cloud” ins Spiel und mit ihr auch wieder das heutige Web 2.0.
Das Durchschnittalter der Facebook User liegt bei 33 Jahren, 2008 lag es noch bei 26 Jahren. Bei Twitter sieht es noch etwas schlechter aus, dort hat man erst mit 31 Jahren das Durchschnittsalter erreicht. Was passiert nun in 40 – 60 Jahren? Ich glaube kaum, dass wir immer noch fröhlich unsere Twitter Nachrichten verfassen und alles auf 140 Zeichen zurecht kürzen. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass wir die gesamten Internet Accounts löschen werden, ohne auch nur einen zu vergessen.
Ich weiß von mir selbst, dass ich noch in der LEGO Germany Community bin, und ich vermute, dass da noch mehr alte Accounts von mir im Web schlummern. Okay die LEGO Community ist vermutlich so klein und uninteressant für die Welt, dass es jedem egal ist wie viele Accountleichen sich dort tummeln. Aber was ist mit den Internet Riesen Google, Facebook, Twitter oder seien es nur die VZ Netzwerke? Facebook hat mehr als 400 Millionen aktive Nutzer und täglich werden es mehr.
“I Like” Button für die Enkelkinder zum fünften Todestag?
Ich behaupte nun einfach mal, dass wir in 40 – 50 Jahren Facebook zwar nicht mehr nutzen, aber viele Accounts dort immer noch zu finden sind. Klicken unsere Enkelkinder dann an unserem fünften Todestag auf den “I Like” Button und zeigen so ihren Freunden ihre persönliche Ahnentafel im Web 6.0? Oder wird sich das Internet so verändern, dass es einfach keine Rolle mehr spielt wo sich noch ein paar Daten von uns befinden?
Facebook bietet ein Formular für das melden einer verstorbenen Person an. Die VZ Netzwerke sehen das etwas lockerer und geben die Login Daten nach einer Überprüfung der Sterbeurkunde an die Angehörigen heraus. Doch werden meine Kinder und alle anderen Angehörigen immer wissen in welchen Netzwerken ich angemeldet bin? Wird man sich in 10 Jahren noch daran erinnern, dass man den Kindern unbedingt von seinem SchülerVZ Account erzählen muss damit sie die Accounts später auch verwalten können?
Das ganze wirkt auf mich ziemlich suspekt, denn ich bezweifle, dass alles genau so passieren wird. Die jetzigen großen Social Media Angebote werden in ein paar Jahrzenten entweder derart zugemüllt sein, dass es wirklich zur Ahnentafel dienen könnte, die aber keiner mehr nutzt. Oder die Betreiber setzten intelligente Software ein, die das ganze automatisch bei Todesfällen bereinigt.
Es gibt mittlerweile Firmen die diese Marktlücke erkannt haben. Legacy Locker und VitalLock sollte man hier nennen. Bei beiden Unternehmen, werden Passwörter und Login Daten von sämtlichen Webseiten gespeichert und bei Todesfall an die Angehörigen heraus gegeben. Sind uns unsere Daten denn wirklich so wichtig, das wir dafür bezahlen das unsere Login Daten weiter gegeben werden und nicht im Internet verwahrlosen? Die Idee die hinter diesen Firmen steckt ist zwar ziemlich gut und bestimmt auch gewinnbringend, aber ich persönlich würde so was bestimmt nicht nutzen.
Das ganze Thema ist zwar etwas makaber, aber ich finde es trotzdem sehr interessant darüber nach zu denken. Das ganze spiegelt auch nur meine eigene Meinung wieder, die ich keinem aufzwingen will. Würde mich aber trotzdem über eure Meinung dazu freuen. Wie steht ihr zu dem Thema? Wie sieht es eurer Meinung nach in 40 Jahren bei Facebook und Co. aus?
ps. Vielen Dank an Holy Moly für den Denkanstoß durch ihren Artikel Intenret accounts after your death
Quellen:
1. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,613708,00.html
2. http://futurezone.orf.at/stories/1649597/?ref=top
